Warum ...

meine besten seiten

Warum beschäftige ich mich mit der berliner Mundart?

Was wird aus der Schnauze mit Herz - ist sie noch zu retten?

Vorab bekenne ich, ich bin kein waschechter Berliner. Als typischer Rucksackberliner lebe ich schon lange in Berlin, bin hier aber nicht geboren. Geboren und aufgewachsen bin ich in einem Ort circa fünfzig Kilometer südlich von Berlin. Nach mehrjährigen Ausflügen in die Niederlausitz und nach Dithmarschen - wo ich sofort und konsequent als >Icke< enttarnt wurde - bin ich 2001 in Berlin sesshaft geworden.

Es ist kein Geheimnis, es wird immer weniger berlinert in Berlin. Das Berlinerische in seiner Perfektion bekommt man in der Hauptstadt heute leider nur noch am Stadtrand und im nahen Umland zu hören. Das ist sehr schade, da es doch eine lange Geschichte hat. Ich möchte auch nicht von der Berliner Mundart ausgehen, sondern von einer berlinisch-märkischen. Manchmal hört oder liest man auch vom Berliner Dialekt. Wissenschaftler sind sich da nahezu einig, das Berlinische ist kein Dialekt. Man spricht bezüglich des Berlinischen von einem Metrolekt - im Gegensatz zu einem Dialekt - weil es sich aus mehreren Mundarten zugleich zusammensetzt, die in einer größeren Stadt zwangsläufig zu sprachlichen Veränderungen führen. Die Berliner Zeitung schrieb dazu: >>Das Berlinische ist ein Dialekt, also eine regional begrenzte Varietät der Standardsprache, genauer gesagt: ein Metrolekt, der innerhalb einer Stadt und nicht eines Landstriches entstanden ist und, anders als dieser sogenannte Regiolekt, von unterschiedlichsten Zuwanderern und ihren vielen Mundarten geprägt wurde.

Im Berlinischen findet sich das Französisch der Hugenotten wieder, das Jiddische durch den Zuzug osteuropäischer Juden im 19. Jahrhundert, aber ebenso Englisch, Flämisch und Rotwelsch. Für den Schluck aus der Pulle bemühen Germanisten sogar hochvornehm das Lateinische. ...

Zum 25-jährigen Mauerfall-Jubiläum hat die Gesellschaft für deutsche Sprache eine Untersuchung über den Berliner Dialekt in der Einschätzung der Bürger dieser Stadt in Auftrag gegeben. 1001 Männer und Frauen ab 14 Jahren wurden befragt, 62 Prozent von ihnen gaben an, zumindest hin und wieder zu berlinern, was für eine recht hohe Akzeptanz spricht, allerdings abhängig von Bildungsgrad, Wohnort, West- oder Ostsozialisation. Die Studie zeigt außerdem, dass Ost und West sprachlich immer weiter zusammenwachsen: Datsche - zum Beispiel - sagen heute fast alle.<<

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/1547150 ©2017

Aber die Zeiten, in denen das Berlinische seine Hochzeit hatte, sind wohl vorbei. Berlinisch ist immer mehr zur Klassenfrage geworden - kann man immer mal wieder lesen. Der Grund, warum immer mehr Hochdeutsch gesprochen wird, ist woanders zu finden. Ein Württemberger und ein Berliner könnten sich wohl kaum in ihrem/r ureigenen/r Dialekt/Mundart verständigen. Und so lernt der nach Berlin gekommene Schwabe hochdeutsch sprechen. Das verstehen alle - Berliner und Zugezogene gleichermaßen. Bezeichnend ist aber, was selbst im Hochdeutschen für den Berliner 'ne Semmel ist, ist für den Schwaben ein Doppelwecken.

Fakt ist, der Berliner Stadtsprache fehlt eine einheitliche Schriftsprache. Es ist festzustellen, dass die lautmalerische Schriftsprache sich von einem zum anderen (Auf-) Schreiber eminent unterscheidet. Da hat wohl jeder seine eigenen Vorstellungen. Die kesse Göre - zum Beispiel - findet man auch als Jöre oder Jehre.

Und ohne Grammatik kommt auch der berlinernde Berliner nicht aus. Und das beginnt dann schon damit, dass elementare Regeln außer Kraft gesetzt werden. So sagt der Berliner immer mir (mia, ma), ooch wenn`t richtich is! Mit dieser scherzhaften Redensart betont der Berliner, dass er mir und mich nicht beliebig verwechselt und verwendet. Mich-Entgleisungen widersprechen dieser Regel und sind nicht zulässig.

Eigentlich gibt es auch keine einheitlichen Regeln für eine Berliner Schriftsprache. Wer sollte sie als verbindlich festlegen? Als einen gelungenen Versuch dies zu ändern, ist der Beitrag dazu in Wikipedia >>https://de.wikipedia.org/wiki/Berlinische_Grammatik<< anzusehen.