Leseproben

meine besten seiten

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Leseproben aus:

- Über die Jahre

1 - 1937

2 - 1942

3 - 1953

4 - 1955

>Über die Jahre < ist eine Zusammenfassung meiner autobiografischen Arbeiten und wird voraussichtlich im Herbst 2018 im Verlag BoD erscheinen.

Leseprobe 1

>Über die Jahre< 1937

 

EinBlick zurück

 

... Die Geburt eines Kindes erfolgte damals in der Regel zu Hause. Die Hebamme wurde gerufen, wenn die Geburtswehen bei der Schwangeren einsetzten. Sie stand der werdenden Mutter zur Seite und versorgte das Neugeborene. Auch ich kam auf diese natürliche und traditionelle Art und Weise, der sogenannten Hausgeburt, auf die Welt. Sie nannten mich Otto, Franz, Ernst. Otto, nach Vaters jüngerem Bruder. Ihn hatte während der Arbeit im Gewitterregen ein Blitz erschlagen. Was mich, als ich es später erfuhr, etwas skeptisch in die Zukunft blicken ließ. Franz, der Großvater mütterlicherseits und Ernst, ein Onkel väterlicherseits, waren meine Taufpaten. Sie, die Paten, sollten meinen Eltern bei meiner christlichen Erziehung zur Seite stehen. Was, wie ich bereits angemerkt habe, gründlich daneben gegangen ist.

Der Tag meiner Geburt war ein Montag. Ein Sonntagskind bin ich also nicht. Es soll gegen vier Uhr in der Frühe gewesen sein, als ich das Licht der Welt oder es mich erblickte. Ob dieser Umstand Einfluss auf meinen späteren Tagesrhythmus gehabt hat? Ich weiß es nicht. Jedenfalls bin ich noch heute ein konsequenter Frühaufsteher. Eine Lerche – wie ein Frühaufsteher landläufig bezeichnet wird. Den Lerchen sagt man ja nach, sie seien wahre Glücksbringer. Denn, wer sie in der Frühe singen hört, dessen Tagwerk ist bald vollbracht. Sagt der Volksmund. Meinen Eltern hat meine Geburt bestimmt Glück bedeutet. In meinem späteren Leben bin ich dem Anspruch an einen Glücksbringer wohl nur unvollkommen gerecht geworden. ...

Leseprobe 2

>Über die Jahre< 1942

 

Bevor es richtig beginnt – ist es schon vorbei

 

... Als Vater in den Krieg ziehen musste, fehlte er mir sehr. Obwohl ich natürlich keine klare Vorstellung davon hatte, welchen konkreten Gefahren ein Soldat im Krieg ausgesetzt ist, machte ich mir doch Sorgen um meinen Vater. In den Gesprächen der Erwachsenen war fast nur noch die Rede von der Lage an den Fronten, von Verwundeten, Vermissten und Gefallenen aus ihrem Bekanntenkreis. Die Zeitung brachte täglich Seiten voller Todesanzeigen. Das war eine Zeit des Hoffens, Bangens und der Verzweiflung. Einige wenige Feldpostbriefe von Vater kamen. Die waren aber meist schon Wochen oder Monate unterwegs, ehe sie in der Heimat ankamen. Immer öfter stellte ich mir die Frage danach, wann endlich wir unseren Vater wieder sehen werden?

An einem sonnigen Tag im Juli 1942 stand er in Uniform und mit seiner militärischen Ausrüstung vor der Tür. Er erschien mir viel größer, als ich ihn in Erinnerung hatte. Auch wirkte er irgendwie fremd auf mich. Er war sehr ernst geworden. Bevor er seinen Karabiner in den Wohnzimmerschrank wegschloss, durfte ich diesen einmal berühren. Ich war enttäuscht. Warum und was ich erwartet hatte, ich wusste es nicht. Dann kamen die Nachbarn und es wurde viel über den Krieg und seinen Verlauf gesprochen. Von all dem verstand ich kaum etwas. Heute weiß ich, dass es wohl nicht gut aussah für das >Volk ohne Raum<*. Volk ohne Raum, eine der Parolen Hitlers, die den Beginn des 2.Weltkrieges rechtfertigen sollten. Doch die Rechnung von der Eroberung der Welt ging nicht auf und die Menschen fingen an, sich mehr und mehr Sorgen über ihre Zukunft zu machen. Sorgen darüber, dass sie nun wohl für das begangene Unrecht büßen müssen.

Viel zu schnell waren die zwei Wochen Heimaturlaub vorbei. Am letzten Tag wurden noch einige Fotos von der Familie gemacht und dann musste Vater wieder an die Front. Was niemand damals ahnte, es war sein letzter Urlaub. Wir haben unseren Vater nicht wieder gesehen. Am 21. August 1942 war er für ... ja für was ... gefallen. >Gefallen für Führer, Volk und Vaterland<, so wurde das sinnlose Sterben von Menschen in einem ebenso sinnlosen Krieg bezeichnet. Gefallen, als ob der Betroffene nur wieder aufzustehen brauchte. Vor Moskau fand Vaters Leben sein Ende. Die Umstände, die zu seinem Tode führten, wurden nie ganz geklärt. Er war Pionier und weit hinter der Front eingesetzt. Mutter bekam mit seinen persönlichen Dingen ein Foto von einem Grab zugeschickt. Die Inschrift auf dem abgebildeten Grabkreuz war nicht lesbar. Wahrscheinlich wurde das Foto wiederholt verwendet. Dies, und die sich widersprechenden Angaben seines Vorgesetzten und seiner Kameraden waren schuld daran, dass unsere Mutter in ihrem ganzen Leben nie zur Ruhe kam. Sie hat unseren Vater wohl auch so sehr geliebt, dass es ihr nicht möglich war, seinen Tod nur einfach zur Kenntnis zu nehmen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als die Nachricht von Vaters Tod kam. Es war zur Gewohnheit geworden, die Todesnachricht, sie war als solche äußerlich erkennbar, nicht den betroffenen Familien direkt auszuhändigen. Der Postzusteller gab sie bei den Nachbarn oder bei Freunden ab. Die übernahmen es dann, den Hinterbliebenen, in den ersten schweren Stunden, den notwendigen Beistand zu geben. Es war eine schlimme Zeit. Wir Kinder verstanden zwar, was vorging, die Tragweite des Geschehens haben wir jedoch noch nicht begriffen. Eines Tages war es auch für uns so weit. Unsere Nachbarin, Frau Tinius, kam weinend mit dem Brief in der Hand zu uns. Sie brauchte nicht mehr viel zu sagen. Die beiden Frauen weinten lange. Dann erklärte uns Frau Tinius, dass unser Vater nicht mehr aus dem Krieg zurückkehren wird. Mein Bruder hat es mit seinen knapp vier Jahren wohl noch nicht einordnen können. Seine größte Sorge war, wer nun den Weihnachtsmann macht.

Wie sollte es nun weiter gehen mit unserem Familienleben? Es hatte kaum begonnen, da war es schon vorbei. Die Familie war zerstört. Leichtfertig wird so eine Situation oft als Schicksalsschlag bezeichnet. Ich denke, das trifft es nicht. Für uns war es schlichtweg eine Tragödie. Sicher, das Leben ging für uns weiter. Doch nichts war mehr so, wie es einmal war. Mutter trug schwer daran. Zu diesem Zeitpunkt fehlte uns Kinder noch der Verstand dafür, das ganze Ausmaß der Situation zu begreifen. Und für den Moment war es auch gut so. Später hat dieses Erlebnis einige Entscheidungen in meinem Leben beeinflusst.

Wie schwer die Todesnachricht den Frauen psychisch zusetzte, macht folgendes Verhalten deutlich: Immer wieder sprachen betroffene Frauen darüber, dass sie nachts geheimnisvolle Geräusche oder Stimmen gehört hätten. Die Frauen verbanden dies zu gern mit der Vorstellung, dass die Seelen ihrer toten Männer nach Hause gekommen seien. ...

Leseprobe 3

> Über die Jahre< 1953

Lehrjahre sind keine Herrenjahre

 

... Auf der Baustelle, die etwas außerhalb des Ortes liegt, werden wir schon erwartet. Wir berichten von unserem Abenteuer. Alle sind froh, dass wir mit dem Schrecken davongekommen sind. Nun beginnt ein neues Abenteuer. Zuerst wird die Baustelle besichtigt. Wir sehen nichts als eine leere Fläche. Hier soll das von uns zu errichtende Verwaltungsgebäude in absehbarer Zeit stehen? Es bedarf allerhand Fantasie, sich das vorzustellen. Wir begreifen, jetzt wird es ernst. Unser Wissen wird auf den Prüfstand gestellt. Diesmal ist es kein popliger Pferdestall. Schon die Bauzeichnung ringt uns Hochachtung ab. Einige sind auch der Meinung, das ist eine Nummer zu groß für uns. Dann werden wir uns aber einig, die Herausforderung anzunehmen. Packen wir es an. Was haben wir gelernt? Bevor mit dem Bau begonnen werden kann, sind eine Baubude und eine Baustellentoilette zu errichten. Und das machen wir dann auch so. Das Vermessen der Baustelle und das Setzen der Schnurböcke haben wir auf dem Lehrbauhof oft geübt und machen uns keine Probleme. Auch die Arbeit mit dem Nivelliergerät klappt problemlos. Wir gehen daran, die Baugrube auszuheben. Alles in Handarbeit mit Schaufel und Schubkarre. Technik in Form von Bagger und Förderband stehen nicht zur Verfügung. So müssen schon unsere Großväter gearbeitet haben. Aber wir sind eifrig bei der Sache und haben auch noch genügend Witz und Zeit, so manchen Schabernack zu treiben. Es dauert dann volle zwei Wochen, bis die Grube ausgehoben ist. Richtigen Spaß haben wir beim Mauern der Kellerwände. Das Besondere an den Wänden ist ihre enorme Stärke von 0,92 m. Sie bilden die Auflage für die in der Lehmstampfbautechnologie zu errichtenden Wände. Bei der >Lehmstampfbauweise< wird schichtweise erdfeuchter Lehm in vorbereitete Schalungen für Wände eingefüllt und anschließend festgestampft. Die Einfülltiefe beträgt pro Schicht etwa einen halben Meter. Zur Stabilisierung der Lehmmasse wird Stroh untergemischt. In unregelmäßigen Abständen werden Mauerziegel eingearbeitet, die als Putzträger dienen. Der Lehmbau gilt als eine der ältesten Bautechnologien. In Mitteleuropa gilt Lehmbau heute als eine ökologische Naturbauweise, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. In Abweichung von der traditionellen Technologie werden durch uns die Tür- und Fensterlaibungen als Ziegelmauerwerk errichtet. Für uns eine neue Technologie. Der Einsatz sogenannter Tür und Fensterlehren hält zurzeit Einzug in der Bauindustrie. Es macht bei der Fertigung von Ziegelmauerwerk den Einsatz von Wasserwaage und Senklot weitestgehend entbehrlich. Beim Mauern bietet sich so manche Gelegenheit für Schabernack. Unter Bauarbeitern verbietet es ein ungeschriebenes Gesetz, Werkzeug auf der Mauer liegen zu lassen. Geschieht es trotzdem, weil es ein Kollege mächtig eilig hat, auf die Toilette zu kommen, hat er Pech. Den mit viel Witz ausgestatteten Erzählungen des Herrn Hecht, über die Bräuche auf dem Bau, haben wir entnommen, Werkzeug der Kollegen darf unter keinen Umständen angefasst werden. Es ist ein Tabu. Was sollen wir also machen? Die Ziegel werden passend zugeschlagen und das auf der Mauer liegende Werkzeug fein säuberlich ummauert. Wenn der Unglücksrabe zurückkommt, staunt er nicht schlecht. Hat er Glück, ragt noch ein Teil des Arbeitsgerätes aus der Mauer heraus. Wenn nicht, ist Suchen angesagt. Einem alten Brauch folgend, versenken wir auch unsere abgenutzten Holzpantinen und alles, was ausgedient hat, im Mauerwerk.

Die Arbeitszeit vergeht jetzt wie im Fluge. In der Zeit auf dem Lehrbauhof habe ich öfter den Feierabend herbeigesehnt. Unangenehm ist der weite Weg zwischen der Baustelle und dem Bahnhof in Trebbin. Nicht immer bietet sich eine Mitfahrgelegenheit. Herr Scherz – unser Lehrpolier - logiert die Woche über im Dorfgasthof. Er überzeugt uns davon, es ihm gleich zu tun und besorgt uns eine Möglichkeit für die Übernachtung. Unsere Verpflegung ist, was das Mittagessen anbetrifft, über die Betriebskantine der MTS sichergestellt. Für Frühstück und Abendessen müssen wir selbst sorgen. Morgens gibt es bei mir fast ausschließlich Kunsthonig auf Weißbrot. Dazu eine Flasche Milch. Nach Kunsthonig bin ich zurzeit wohl richtig süchtig. Da wir nach Feierabend noch bei den Bauern Schalwerken ist das Abendessen auch gesichert. Schalwerken ist ein spezieller Begriff der Bauleute. Man kann auch Schwarzarbeit dazu sagen. Es wird geduldet und ist gängige Praxis. Man darf den Baubetrieben nur nicht in die Quere kommen, das heißt die Aufträge wegnehmen. Mangel an Aufträgen haben wir nie. Der eine Bauer hat eine Wand zu ziehen, der andere eine abzureißen. Für uns gibt es Arbeit in Hülle und Fülle. Herr Scherz muss uns bremsen, damit wir uns nicht körperlich übernehmen. Schließlich braucht er uns mit unserer Arbeitskraft auf der Baustelle. Damit er keinem der Lehrlinge hinterher laufen muss, setzt er täglich um zwanzig Uhr eine Skatrunde an. Gegen zweiundzwanzig Uhr liegen wir dann regelmäßig in den Betten. So lehrt er uns nebenbei, Ordnung zu halten und Disziplin zu üben. Uns ist es recht. Für mich kann ich feststellen, die Lehrzeit ist eine der schönsten Abschnitte meines bisherigen Lebens. Diese Unbeschwertheit, mit der ich das Leben genieße, habe ich bisher noch nicht kennengelernt. Einerseits mache ich mir kaum Sorgen darüber, was morgen ist. Sorgen ist vielleicht auch nicht der richtige Ausdruck. Andererseits weiß ich, der Mensch ist nie mit dem zufrieden, was er hat. Und da mache ich auch keine Ausnahme. Auch habe ich irgendwo mal gehört oder gelesen: >in der Unzufriedenheit mit dem Erlangten und dem daraus resultierenden Streben nach Höherem liegen die Wurzeln von Fortschritt und Vorankommen im Leben<. << Gefällt mir. Ich bemühe mich, danach zu handeln und zu leben. Und das ist doch schon mal etwas. Wir sind mit unserer ersten ernsthaften Baustelle fertig und mächtig stolz auf unsere Leistungen. Aber zum Freuen bleibt nicht viel Zeit, der nächste spezielle Auftrag wartet schon auf uns. ...

Leseprobe 4

> Über die Jahre< 1955

Alte Bräuche

 

... Fastnacht ist etwas Besonderes. Es hat eine lange Tradition und wird insbesondere auf den Dörfern gepflegt. Gefeiert wird zu allen Zeiten gern und ausgiebig. Und so gibt man sich auch nicht mit einer Fastnachtfeier zufrieden. Neben der eigentlichen Fastnacht, Männerfastnacht genannt, gibt es noch die Weiberfastnacht, die Kinderfastnacht und andere. Die Modalitäten sind in etwa folgende: In einer vorbereitenden Zusammenkunft der Interessenten werden zwei Tanzmeister bestimmt, die Gaststätte festgelegt und über die Verpflichtung einer Tanz- und Blaskapelle beraten. Der Termin steht kalendarisch fest und ist immer das Wochenende vor dem Aschermittwoch.

Am Nachmittag, zur Kaffeezeit, beginnt am Fastnachtssonntag das Fest damit, dass sich alle teilnahmewilligen Mädchen und jungen Frauen in einer anderen Gaststätte versammeln. Die Burschen und jungen Männer treffen sich ihrerseits in der Festgaststätte und ziehen unter Führung der Tanzmeister und unter den Klängen der Blasmusikkapelle zum Treffpunkt der holden Weiblichkeit. Nach einigen Tänzen geht es gemeinsam zur Festgaststätte. Der Zug nimmt natürlich nicht den kürzesten Weg, sondern zieht durch fast alle Straßen. Unterwegs wird durch die Tanzmeister schon ein und der andere Schnaps ausgeschenkt. In der Festgaststätte angekommen, wird das Tanzbein geschwungen. Dann ist bis zum Abend Pause. Das Vieh muss versorgt werden. Damit die Musiker nicht nutzlos herumsitzen, ist für die Kinder Kindertanz. Nach dem Abendbrot geht die Feier richtig los. Es wird getanzt und auch dem Alkohol kräftig zugesprochen. Die letzten Tänzer verlassen gegen Mitternacht den Tanzboden. Am Vormittag des Fastnachtmontags treffen sich die Burschen zum Zempern. Lustig verkleidet und mit Tragekiepe ziehen sie mit Pauke und Trompete durchs Dorf. Überall wo junge Mädchen wohnen und in den Gaststätten, wird ein Stopp eingelegt. Es wird mit den Frauen des Hauses ein Tänzchen gedreht, ein Geschenk entgegengenommen. Auch einige Gläschen werden geleert. Und weiter geht es mit dem Umzug. Bei den Geschenken handelt es sich meist um Wein, Schnaps, Wurst, Eier und Schinken, aber auch Geld. Das alles wird dann beim Treffen am Aschermittwoch verzehrt.

Da Woltersdorf ein recht großes Dorf ist, dauerte das Zempern auch entsprechend lange. In diesem Jahr war es besonders zeitaufwendig. Wir wollen uns nicht wieder Beschwerden einhandeln. Die gab es nämlich im Vorjahr. Da hatten wir einige Familien der Mädchen nicht besucht. So ist es in diesem Jahr ein Schnäpschen mehr geworden.

Als wir abends wieder im Tanzlokal auftauchen, kommen wir vier Cousins, Dieter, Heinz, Bruder Siegfried und ich überein, Onkel Gustav, den Vater von Heinz, ordentlich einen auszugeben. Eine Schnapsidee im doppelten Sinne. Getrunken wird mit Vorliebe ein Getränk namens >Koks<. Das ist ein Weinbrand mit einem Stück Würfelzucker und drei Kaffeebohnen. Die Wirkung ist entsprechend. Aufgrund des erhöhten Alkoholspiegels vom Zempern dauert es auch nicht lange und ich brauche eine Auszeit. Dazu suche ich die Toilette auf. Bei meiner >Sitzung< bin ich dann wohl eingeschlafen. Als ich wieder zu mir komme, stehe ich in der Saaltür, meinen Anzug übern Arm und die Schuhe in der Hand. Ich bin sofort stocknüchtern und mache kehrt. Draußen ziehe ich meine Kleidung an und gehe flugs nach Hause. Mir ist das so peinlich. Am nächsten Tag stellt sich heraus, es hat kaum jemand registriert, weil gerade wieder eine der üblichen Keilereien im Gange war. Und eine Erklärung für mein seltsames Verhalten glaube ich, gefunden zu haben. Im Rausch hat mir wohl mein Kleinhirn einen Streich gespielt und mir vorgegaukelt, ich bin schon zu Hause und es ist Zeit ins Bett zu gehen. Und ich habe gehandelt wie immer, wenn ich vom Tanz komme. Schuhe und Anzug ausziehen, die Treppe ins Dachgeschoss hoch und den Anzug zum Auslüften über das Geländer legen. Mutter hängt ihn dann anderentags wieder in den Kleiderschrank. Während meines Blackouts habe ich mich ausgezogen, finde aber kein Geländer für den Anzug. So bin ich bis zur Saaltür gekommen. Das Ganze ist mir eine Lehre. Mit dem Genuss von Alkohol gehe ich künftig vorsichtiger um und meide ihn, wenn es geht. ...